PIXERA verbindet Content, Kameras und Show Control bei Sarah Connor

514 Quadratmeter LED-Fläche, 13 Server-Signale und ein eng verzahnter Workflow für eine flexible Tourproduktion

Bei der aktuellen Tourproduktion von Sarah Connor verschmelzen Livekameras, vorproduzierter Content und eine bewegliche LED-Architektur zu einer durchgängigen visuellen Inszelnierung. Im Zentrum des komplexen Video-Workflows steht PIXERA: Das Media-Server-System liefert nicht nur die Inhalte für insgesamt rund 514 Quadratmeter LED-Fläche, sondern übernimmt auch zentrale Aufgaben bei Steuerung, Kommunikation und Zusammenarbeit.

Verantwortlich für die visuelle Umsetzung ist Thomas Krautscheid, der bei der Produktion eine Doppelrolle einnimmt: Als Video Director gestaltet er die Livekamerabilder der Show, als Media-Server-Programmierer und Operator verantwortet er die Zuspielung und Steuerung mit PIXERA. Gleichzeitig arbeitet Krautscheid auch als Entwickler bei PIXERA.

„Für mich ist diese Kombination besonders spannend, weil Erfahrungen aus der Produktion direkt in die Softwareentwicklung einfließen können“, erklärt Krautscheid. „Viele Anforderungen entstehen nicht am Schreibtisch, sondern während der Proben oder im täglichen Showbetrieb.“

Krautscheid arbeitet seit mehr als 15 Jahren mit Sarah Connor zusammen. Seine Erfahrung mit Livevideo und Medienservern reicht bis in die späten 1990er-Jahre zurück. Eine Zeit, in der digitale Medienserver in heutigen Dimensionen noch kaum vorstellbar waren. Sein gestalterischer Schwerpunkt liegt seitdem auf der Verbindung von Livekamerabildern und grafischem Content.

 

Eine Bühne aus Wänden, Ringen und LED-Boden

Das Bühnenbild umfasst rund 240 Quadratmeter LED-Wände, 144 Quadratmeter bewegliche LED-Ringe und einen 130 Quadratmeter großen LED-Boden. Die vorderen LED-Elemente sind an einem C1-System aufgehängt und können während der Show ihre Höhe verändern. Dadurch lässt sich nicht nur die Größe, sondern auch die räumliche Tiefe des Bühnenbildes dynamisch gestalten. Der fahrbare Bühnenboden ist ebenfalls durchgängig mit LED-Panels ausgestattet. Er führt die Bildwelten der Wände in den Raum hinein weiter und wird in einzelnen Songs zusätzlich für aufwendige Kamerakompositionen genutzt.

 

Niedrige Latenz für Livekameras und maximale kreative Flexibilität

Für Krautscheid hat eine möglichst geringe Verzögerung der Livekamerabilder oberste Priorität. Deshalb werden die zentralen LED-Flächen direkt aus dem Grass-Valley-K-Frame-Videomischer gespeist. PIXERA liefert den Content und die grafischen Ebenen, während die Livekamerabilder im Videomischer zusammengesetzt und verarbeitet werden.

„Bei einem Konzert müssen Bewegungen auf der Bühne und auf der Videowand so unmittelbar wie möglich zusammenpassen“, erläutert Krautscheid. „Durch die Verarbeitung im Videomischer erreichen wir eine sehr geringe Latenz, ohne auf die kreativen Möglichkeiten des Media Servers verzichten zu müssen.“

Für jedes Screen-Element stellt PIXERA eine Vorder- und eine Hintergrundebene bereit. Der Hintergrund bildet die Basis, darüber liegt das Kamerabild. Eine weitere PIXERA-Ebene verbindet beide Elemente zu einer gemeinsamen Bildkomposition. Diese obere Ebene kann beispielsweise eine geometrische Maske, eine grafische Textur oder eine komplexe additive Komposition enthalten. Sie wird inklusive Alphakanal ausgegeben, sodass transparente Bildbereiche im Videomischer direkt weiterverarbeitet werden können.

„Man kann sich den Aufbau wie ein Sandwich vorstellen“, erklärt Krautscheid. „PIXERA liefert den Hintergrund, darauf liegt das Kamerabild und darüber kommt eine weitere Ebene, die alles gestalterisch miteinander verbindet.“

Insgesamt verlassen 13 separate Bildsignale für die verschiedenen LED-Flächen den PIXERA-Server und werden anschließend im Videomischer weiterverarbeitet.

 

Automatisierte Abläufe mit PIXERA Control

PIXERA übernimmt bei der Produktion weit mehr als die reine Medienwiedergabe. Mehrere individuell entwickelte Control-Module verbinden Media Server, Videomischer, Kameras und Lichtpult miteinander.

Ein zentrales Element ist ein digitales Cue-Call-Sheet für die Kameracrew. Die Kameraleute sehen die Informationen direkt in ihren Suchern und wissen dadurch, welche musikalischen Abschnitte und besonderen Momente im jeweiligen Song bevorstehen. Das von Krautscheid entwickelte Control-Modul kombiniert diese Darstellung mit den Cue-Layern und dem CSV-Import von PIXERA. Musikalische Strukturen lassen sich dadurch schnell vorbereiten und bei Bedarf auch während einer laufenden Timeline ergänzen. Weitere Module ermöglichen die bidirektionale Kommunikation mit dem Videomischer. PIXERA kann den Mischer aus der Timeline heraus steuern; gleichzeitig lassen sich PIXERA-Aktionen direkt vom Mischer aus aufrufen. Auch die Rotlichtsteuerung der im Server verarbeiteten Kameras erfolgt automatisch: Sobald eine Kamera innerhalb einer Timeline sichtbar wird, erhält sie ihr Tally-Signal.

„Diese Abläufe passieren vollständig im Hintergrund“, sagt Krautscheid. „Während der Programmierung und im Showbetrieb muss ich mich nicht mehr um jedes einzelne technische Detail kümmern.“

Wie eng die Systeme miteinander verbunden sind, zeigt der sogenannte „Moderations-Look“. Wird die entsprechende Taste am Videomischer gedrückt, startet PIXERA automatisch die passende Timeline-Aktion und stellt den benötigten Hintergrund bereit. Gleichzeitig sendet PIXERA einen Befehl an den Videomischer zurück, der dort die richtigen Keyer und Bild-Looks lädt. Einzelne Showelemente können zusätzlich direkt vom Lichtpult abgerufen werden. Das ist besonders in Passagen wichtig, die ohne Click und ohne festen Timecode gespielt werden. Während Krautscheid sich in diesen Momenten vollständig auf die Kameraregie konzentriert, kann Lichtdesigner Bertil Mark bestimmte visuelle Aktionen übernehmen. Am Ende der Show interagiert Sarah Connor beispielsweise direkt mit der LED-Wand. Über einen Fader am Lichtpult löst Bertil einen animierten Energiering aus, der sich über den laufenden Content legt.

„Gerade bei frei gespielten Passagen ist es enorm hilfreich, einzelne Aufgaben sinnvoll verteilen zu können“, erklärt Krautscheid. „Ich kann mich auf die Kameras konzentrieren, während der Effekt im musikalisch richtigen Moment vom Lichtpult ausgelöst wird.“

Der größte Teil der Show basiert auf Timecode. Während der Proben wurden immer wieder Songs gekürzt, verlängert oder strukturell verändert. Solche Anpassungen können in einer umfangreichen Timeline schnell zu unerwünschten Sprüngen oder schwer überschaubaren Verschiebungen führen. Mit den Hot Regions in PIXERA konnte Krautscheid diese Änderungen unmittelbar auffangen. Bestehende Programmierungen ließen sich flexibel an neue Songstrukturen anpassen, ohne große Teile der Timeline neu aufbauen zu müssen.

 

Intelligente Kameraverteilung auf dem LED-Boden

In einigen Songs erscheinen bis zu zehn Kamerabilder gleichzeitig auf dem LED-Boden. Dabei setzt das Team eine automatische Source-Substitution im Videomischer ein. Wird beispielsweise der Kamerakran für die hinteren LED-Wände ausgewählt, erscheint auf dem Boden automatisch eine andere Kamera. Dadurch wird verhindert, dass der Kamerakran dort sich selbst beziehungsweise seine eigene Position im Bühnenbild filmt. Die passende Bildquelle wird automatisch ersetzt, ohne dass während der Show ein zusätzlicher Eingriff des Video Directors erforderlich ist.

Die zentrale Videotechnik befindet sich in einem speziell aufgebauten Touring-Dolly. Gemeinsam mit Christian Heinzel (Fifty Frames) und dessen Team wurde dafür hochwertiges Broadcast-Equipment so integriert, dass es den täglichen Anforderungen einer Tourproduktion standhält. Zum Setup gehören Grass-Valley-Kameras, ein Grass-Valley-K-Frame-Videomischer und eine umfassende Riedel-MediorNet-Infrastruktur. Die eingesetzten PIXERA-Systeme basieren auf individuell konfigurierter Hardware und werden über eine entsprechende Dongle-Lösung betrieben. Da möglichst wenig Technik im sichtbaren Bühnenbild stehen sollte, befindet sich ein großer Teil der Backline unter der Bühne. Die dort arbeitenden Crewmitglieder erhalten individuelle Multiviewer-Signale aus der Videoregie, über die sie die für ihren Bereich relevanten Kamerabilder und Showabläufe verfolgen können.

Neben dem eigentlichen Liveprogramm werden alle 13 Kameras als separate Signale aufgezeichnet. Dadurch kann das Team noch während der Tour, beispielsweise über Nacht, Social-Media-Inhalte erstellen. Gleichzeitig steht das Material für spätere Produktionen und weitere Auswertungen zur Verfügung. Die gesamte Produktion reist mit 16 Sattelzügen und muss dennoch an jedem Spielort effizient auf- und abgebaut werden können. Entsprechend wichtig sind reproduzierbare Abläufe und eine enge Integration aller beteiligten Systeme.

 

Multiuser-Workflows und Remote-Zusammenarbeit dank PIXERA

Auch abseits der Bühne unterstützt PIXERA die verteilte Zusammenarbeit des Teams. Zwischen Probenphase und Tourstart arbeiteten Krautscheid und Lichtdesigner Bertil per VPN von unterschiedlichen Standorten aus gleichzeitig an der Show. Änderungen an der PIXERA-Programmierung wurden unmittelbar in der Visualisierung sichtbar. Die Multiuser-Funktionen ermöglichten es beiden, parallel am selben Projekt zu arbeiten, ohne Showstände manuell austauschen zu müssen. Auch die Bereitstellung des Contents erfolgte standortübergreifend. Content Designer Julien Rigal renderte aktualisierte Medien direkt in eine Nextcloud-Instanz, die von PIXERA überwacht wurde. Neue Versionen wurden dadurch automatisch erkannt und über drei Standorte hinweg aktualisiert.

„Die Content-Versionierung hat uns während dieser Phase viel Arbeit abgenommen“, sagt Krautscheid. „Sobald eine neue Version bereitstand, konnte PIXERA sie automatisch übernehmen. Ich musste am Rechner keinen manuellen Austausch anstoßen.“

Für Krautscheid liegt die besondere Stärke von PIXERA in der Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Produktionsrealitäten. Vorgefertigte Funktionen lassen sich mit eigenen Control-Modulen ergänzen, während offene Schnittstellen die Verbindung mit Videomischern, Lichtpulten, Kameras und weiteren Systemen ermöglichen.

„PIXERA hilft uns, auch komplexe Show-Setups übersichtlich und zuverlässig umzusetzen“, fasst Krautscheid zusammen. „Wenn eine benötigte Funktion noch nicht direkt vorhanden ist, lässt sie sich häufig über ein Control-Modul realisieren. Gleichzeitig ist das System stabil genug, dass wir uns im täglichen Showbetrieb darauf verlassen können.“

Seine Doppelrolle als Softwareentwickler und Praktiker schafft dabei einen direkten Austausch zwischen Entwicklung und Produktion. Erfahrungen, die während der Tour gesammelt werden, können in künftige Funktionen und Verbesserungen einfließen.

„PIXERA ist ein Werkzeug, das sich flexibel an ganz unterschiedliche Situationen anpasst – unabhängig davon, ob man im Studio programmiert oder mit einer großen Produktion auf Tour ist. Viele Ideen entstehen genau hier im täglichen Einsatz und finden anschließend ihren Weg zurück in die Software.“

 

 

Credits:

Stage & Show Design: Gunter Hecker
Lighting Design & Creative Direction: Bertil Mark
Video Director & PIXERA Programmer: Thomas Krautscheid
Contentdesign: Julien Rigal
Video Equipment: Christian Heinzel / Fifty Frames
LED Equipment: Screenvision
Production Manager: Jan Kleinenbrands
Promoter: Semmel Concerts