46 Meter Projektionsfläche, 50 Layer und Echtzeit-Anpassungen bis zur Premiere: PIXERA bei den Tiroler Festspielen Erl
Wie PIXERA den Videodesign-Workflow für Richard Wagners Der fliegende Holländer bei den Tiroler Festspielen Erl unterstützte.
Für die Neuinszenierung von Richard Wagners Der fliegende Holländer bei den Tiroler Festspielen Erl entwickelten Meike Ebert, Christian Gasteiger und Raphael Kurig das Videodesign unter der Regie von Josef E. Köpplinger. Als zentrale Medienserver-Plattform kam erneut PIXERA zum Einsatz und ermöglichte einen flexiblen Workflow von der Vorvisualisierung bis zur finalen Show.
Das Passionsspielhaus Erl zählt zu den markantesten Spielstätten Europas. Seine monumentale Architektur erinnert an eine riesige Kathedrale und bildet einen beeindruckenden Rahmen für großformatige visuelle Inszenierungen. Gleichzeitig verfügt die Bühne über vergleichsweise wenig klassische Bühnentechnik: Es gibt weder Drehscheibe noch Hubpodien oder fahrbare Züge. Gerade deshalb übernimmt Videoprojektion eine wesentliche Rolle bei der Gestaltung der verschiedenen Räume und Atmosphären.
Eine der größten technischen Herausforderungen war der rund 46 Meter breite Rundhorizont. Anders als seine Form vermuten lässt, verläuft dieser nicht symmetrisch, sondern zieht sich auf einer Seite zusammen. Für die Bespielung kamen zwei Digital Projection 47K sowie zwei Digital Projection 27K Projektoren zum Einsatz, die teilweise von der Vorbühne aus bis in den Zuschauerraum projizierten, um die notwendige Helligkeit und ein homogenes Bild für den außergewöhnlich großen Bühnenraum zu erreichen.
Für die Umsetzung setzte das Team auf ein redundantes Setup mit zwei PIXERA two Servern, die über eine Lightware-Matrix abgesichert wurden. Dadurch konnte ein unterbrechungsfreier Betrieb während der Proben und Aufführungen gewährleistet werden. Eine zentrale Herausforderung war der rund 47 Meter breite Rundhorizont, der mithilfe der Softedge-Funktionen von PIXERA nahtlos über zwei Projektoren bespielt wurde. Die Show selbst umfasste rund 50 Layer, die in mehrere Gruppen strukturiert waren. Dadurch konnten zwei unterschiedliche Ausspiel-Setups innerhalb eines Projekts realisiert werden: Einerseits ein durchgängiger, rund 8K breiter Content, der sich vom linken Zuschauerraum über den gesamten Rundhorizont bis in den rechten Zuschauerraum erstreckte, andererseits eine separate Ansteuerung der beiden Seitenflächen und des Horizonts. Die Layer-Gruppierung in PIXERA erwies sich dabei als besonders hilfreich für die Verwaltung und flexible Steuerung der Inhalte.
Bereits in der Vorbereitungsphase wurde die Bühne als 3D-Modell in PIXERA importiert und damit die Bühnensituation nachgebildet. Dadurch konnte das Team Projektionsflächen, Sichtlinien und Bespielungsmöglichkeiten im Vorfeld präzise evaluieren und frühzeitig beurteilen, welche Inhalte von den unterschiedlichen Positionen im weitläufigen Zuschauerraum sichtbar sein würden.
Auch im gestalterischen Feinschliff spielte PIXERA eine zentrale Rolle. Auf nahezu allen Ebenen kamen mehrere Effekte gleichzeitig zum Einsatz, darunter Multiply Color, Black & White Color, Cropping, Negative und Add Color. Die Möglichkeit, Effektpaletten automatisch anzulegen und auf zahlreiche Layer zu übertragen, beschleunigte die Einrichtung der Show erheblich und erleichterte spätere Änderungen im laufenden Probenprozess. Zusätzlich nutzte das Team die Live-Input-Funktion von PIXERA, um Inhalte aus Unreal Engine direkt im Produktionskontext zu betrachten und verschiedene Looks unmittelbar auf der Bühne zu beurteilen.
Die größte Stärke von PIXERA zeigte sich jedoch während der Proben. Viele der entscheidenden visuellen Momente entstanden erst im Zusammenspiel von Musik, Regie, Licht und Bühne. Statt Inhalte nach jeder Änderung neu zu rendern und erneut einzuspielen, konnten Anpassungen unmittelbar vor Ort umgesetzt werden. Ein zusätzlicher Lichtreflex auf den Wellen, eine Veränderung der Farbigkeit oder ein subtiler Mondschein auf dem Wasser konnten direkt ausprobiert, bewertet und gemeinsam weiterentwickelt werden. Diese Echtzeit-Arbeitsweise verkürzte nicht nur technische Prozesse, sondern eröffnete dem Kreativteam neue gestalterische Möglichkeiten. PIXERA wurde damit weit mehr als ein Wiedergabesystem – der Medienserver wurde zu einem aktiven Bestandteil des kreativen Entwicklungsprozesses.
„Gerade bei Produktionen wie dieser zeigt sich für mich, welchen Unterschied PIXERA im kreativen Prozess macht. Viele Details entstehen erst während der Proben. Früher bedeutete das: zurück an den Rechner, Inhalte anpassen, neu rendern und wieder einspielen. Heute können wir vieles direkt vor Ort ausprobieren und gemeinsam weiterentwickeln. Für mich ist ein Medienserver deshalb längst mehr als ein Wiedergabesystem – er ist ein kreatives Werkzeug im Videodesign.“ — Raphael Kurig, Videodesigner und Co-Founder von WE ARE VIDEO
Das Kreativteam wurde von Beginn an auch von einem engagierten technischen Team der Tiroler Festspiele Erl begleitet: Thomas Bodner (Technischer Produktionsleiter), Sebastian Corts (Leitung Licht und Video) und Mirko Blank (Videotechnik) sorgten gemeinsam mit ihren Kolleg:innen für die technische Umsetzung der Produktion. Die ersten Gespräche begannen bereits im Sommer 2025 – ein Jahr später konnte das Projekt erfolgreich Premiere feiern.







